Interview

Christine Müller

Wir wollen den Bezug zu unseren Nahrungsmitteln wieder herstellen.

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Job/Beruf

Social Impact Lab Frankurt, gramm.genau


Interessen

Authentizität, DIY, Fair Finance, Feminismus, Lebensmittel, Müllfrei, Startups, Transparenz, Wissenstransfer, Wohnraum

Projekte

gramm.genau
Profil anzeigen

Vier GründerInnen und die Idee, mit ihrem plastikfreien Lieferservice und Bildungsangebot einen Beitrag zu weniger Verpackungsmüll zu leisten. Jetzt bekommt Frankfurt zu dem Lieferservice sein erstes Zero-Waste-Cafe in Bockenheim. 

gramm.genau sind:
Christine Müller: Operatives Management und Finanzen
Franziska Geese: Einkauf und Umweltbildung
Tamás Erdélyi: Infrastruktur und IT
Jenny Fuhrmann: Strategie und Öffentlichkeitsarbeit
Das Social Impact Lab in Frankfurt ist aktuell ihr Arbeitsort, an dem sie ihre Geschäftsidee voranbringen. Seit April 2017 werden sie im Rahmen des AndersGründer-Programms gefördert.
Christine Müller stellt gramm.genau für uns vor.


Interview: Daniela Mahr, Oktober 2018


Wenn wir als normale Konsumenten im Supermarkt die mit viel Plastik verpackten Lebensmittel in den Einkaufswagen legen, sind uns die Auswirkungen meistens gar nicht bewusst.

Was war Eure Motivation mit gramm.genau zu starten?
Das ‚Warum‘ ist sehr wichtig und muss sowohl nach außen als auch nach innen klar kommuniziert werden. Das hilft einem, dabei zu bleiben und weiter an die Sache zu glauben.
Bei mir persönlich war es der Moment, als ich im Meer surfen war und den ganzen Plastikmüll gesehen habe. Nach einem Sturm kam alles an den Strand, was man sich nur vorstellen kann: Zahnbürsten, Flip-Flops und vieles, was auch nicht mehr zu erkennen war. Wenn man das Meer liebt, dann möchte man, dass es dem Meer gut geht.

Bei Franzi war es vor allem der Bildungsaspekt. Sie arbeitet sehr gerne mit Kindern, hat Kunstpädagogik studiert und betreut bei uns vor allem den Bildungsteil. Ein entscheidender Moment war bei ihr, als ein Kind ein Huhn mit vier Beinen gezeichnet hat, weil es gar nicht mehr wusste, wie das Tier außerhalb des Tellers aussieht. Wir haben leider den Bezug zu unseren Lebensmitteln verloren und wissen gar nicht mehr, welche Wege und Geschichten dahinterstehen. Franzi möchte mit gramm.genau einen Ort des Austauschs schaffen, bei dem man den Bezug zu unseren Nahrungsmitteln wieder herstellen kann.

Jenny arbeitet schon länger in der Entwicklungszusammenarbeit. In Indien hat sie gesehen, wie die Bauern dort in total verdreckten Gewässern stehen und versuchen zu arbeiten. Unser Konsum hat direkten Einfluss auf die Lebensgrundlage dieser Menschen. Wenn man es direkt sieht und miterlebt, betrifft es einen einfach anders.

Bei Tamás ist es vor allem die Arbeit in einem Start Up mit nachhaltigen Themen, die ihn motiviert und antreibt.

Wenn wir als normale Konsumenten im Supermarkt die mit viel Plastik verpackten Lebensmittel in den Einkaufswagen legen, sind uns die Auswirkungen meistens gar nicht bewusst.
Diese Verbindung auf eine nicht zu nervige (lacht), sondern vielleicht sogar spannende und schöne Art wiederherzustellen; das ist der Punkt, der uns alle motiviert.


Mit Eurem Modell seid ihr weit davon entfernt, ein klassisches Geschäft zu eröffnen. Erzähl' doch ein wenig mehr davon.
Wir arbeiten ähnlich agil und beweglich wie andere Start-ups, sind immer in Kontakt mit unseren Kunden und passen unser Modell ständig an. Wir haben keine Angst davor, etwas Neues zu erschaffen. Sei es das Pfandsystem, das wir verwenden, das Café, das wir gerade eröffnen oder unser Einsatz in der Umweltbildung. Franzi geht an Schulen oder die Schulklassen kommen zu gramm.genau und lassen sich über die Folgen des Plastikmülls informieren.

Bei mir persönlich war es der Moment, als ich im Meer surfen war und den ganzen Plastikmüll gesehen habe.

Woher wusstet ihr, wo ihr anfangen müsst?
2016 haben wir uns getroffen und kamen auf die Idee, dass wir einen Unverpackt-Laden in Frankfurt starten möchten. Wir haben uns mit dem Konzept beim Social Impact Lab Frankfurt beworben, wurden aber damals nicht ins Förderprogramm aufgenommen. Anschließend wurde ich beim Social Impact Lab eingestellt (lacht).
Zu Beginn sind wir durch Deutschland getingelt und haben diejenigen besucht, die es schon erfolgreich machen. Vor allem der Betreiber des Unverpackt-Ladens in Hannover war sehr nett und hilfsbereit. Er hat sich zwei Stunden konzentriert mit mir zusammengesetzt und viele wichtige Tipps gegeben. Als Nächstes hielten wir in Google Drive und Trello Board unsere Ideen und Erkenntnisse fest. Nach einigen Monaten haben wir dann endgültig beschlossen, dass wir es durchziehen. In wöchentlichen Meetings haben wir dann die grundsätzlichen Fragen beschlossen: Wir brauchen einen Standort. Wo soll der sein? Wir brauchen Produkte. Welche wollen wir anbieten? Was benutzen wir privat, was brauchen und wollen die Menschen? Welche Großlieferanten gibt es und wie machen es die anderen? Und dann natürlich: Wie viel Geld brauchen wir in der Anfangsphase und wie finanzieren wir unser Vorhaben? Zu Beginn kam erstmal bei fast allen Punkten ein großes Fragezeichen auf.

Wie habt ihr diese Anfangshürden überwunden?
Wir hatten das große Glück, dass wir die Besitzerin von „Main Gemüse“ kennenlernten und gramm.genau in ihren Betrieb integrieren konnten. Die erste finanzielle Frage konnten wir so lösen. Wir sind wirtschaftlich komplett getrennt. Wenn Kunden zu Main Gemüse gehen und unsere Produkte kaufen, verdient sie dabei. Wenn die Kunden heute in unserem Onlineshop bestellen, verdienen wir. Derzeit teilen wir uns noch ein Lager und kooperieren bei vielen anderen Dingen. Wir konnten in der Anfangsphase viele Dinge ausprobieren und haben dabei viel gelernt. Dafür sind wir „Main Gemüse“ sehr dankbar.

Nach unseren Erfahrungen im Laden hatten wir dann wieder den Wunsch nach Beratung und Weiterentwicklung. 2017 haben wir uns erneut mit der Idee des Onlineshops bei dem Programm „AndersGründer“ des Social Impact Labs beworben und wurden dieses Mal auch genommen. Das hat uns einen enormen Schub gegeben und wir konnten ein halbes Jahr später mit dem Shop online gehen.

Wir möchten einen Ort des Austausches schaffen: Ein Zero-Waste-Café mit Workshops und Lesungen.

Was sind die nächsten Schritte?
Erfreulicherweise wachsen wir. Anfang dieses Jahres haben wir neben den Privatkunden auch den ersten Geschäftskunden beliefert. Das bedeutet aber auch, dass wir ganz neue Wege gehen müssen, denn im Lager von „Main Gemüse“ ist nur begrenzt Platz. Zudem haben wir unsere Idee um ein zusätzliches Geschäftsfeld erweitert. Wir möchten einen Ort des Austausches schaffen, der genug Platz für unser Angebot, ein Café und unser Lager bietet. Zum Glück haben wir dazu nach langem Suchen die passenden Räume in Bockenheim gefunden. Es wird ein Zero-Waste-Café mit Workshops und Lesungen. Dort bereitet dann eine eigens dafür eingestellte Konditormeisterin leckeren Quiche und handgemachte Pralinen neben anderen Verköstigungen zu. Franzi und Jenny werden die Gäste des Cafés drei Tage die Woche selbst bewirten.

Was war bisher bei der Umsetzung eurer Idee die größte Erkenntnis?
Das waren zwei Erkenntnisse, eine geschäftliche und eine persönliche...

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