Interview

Dunja Karabaic

Ich wollte eine Schnittstelle zwischen Design, Kunst und Nachhaltigkeit schaffen.


Dunja karabaic

Dunja Karabaic hat mit dem Diplom "Visuelle Kommunikation" der Kunsthochschule Hamburg in der Tasche, und dem Umweltschutz seit jeher im Herzen, 2008 das "bureau gruen." – eine Agentur, die unter anderem seit 2008 erfolgreich die Messe und jetzt das Festival „ökoRAUSCH“ leitet – gegründet.

ökoRAUSCH ist eine einzigartige Schnittstelle zwischen Design, Konsum, Kunst und Nachhaltigkeit. Es setzt junge und innovative Designlabels in Szene, für die ökologisches Bewusstsein und Fair Trade kein Trend sondern selbstverständlich sind, und zeigt parallel thematisch abgestimmte Positionen ausgewählter Künstler*innen.
Als Inhaberin des bureau gruen. vermittelt Dunja Karabaic ein neues Verständnis von Umweltschutz und zeigt, dass nachhaltiges Design innovativ und ästhetisch ist. Das bureau gruen. bietet darüber hinaus Umweltcoaching und "grünes" Grafikdesign. Zusammen mit Nika Rams entwickelte sie das Konzept für den Veedelfunker, ein Magazin, das das "Das gute Leben im Veedel", dem Kölner Viertel Eherenfeld kommuniziert und fördert.


Interview: Daniela Mahr, August 2018
Foto: bureau gruen


Wie kamst Du dazu ökoRAUSCH ins Leben zu rufen? Was war Deine Motivation?
Ich empfinde es als inspirierende und höchst sinnvolle Aufgabe, das Gemeinwohl oder die Umwelt in den Vordergrund des Entwerfens zu stellen. Und mit Entwerfen meine ich nicht nur Gestaltung im klassischen Sinn von Design oder Kunst, sondern ebenfalls im Gestalten von Projekten. In einer fachlich immer komplexeren Welt hat gerade der Designbereich das Potential, als fehlende Schnittstelle zwischen den Disziplinen zu wirken.

Die Idee zu ökoRAUSCH entstand 2007 aus der Erfahrung, die ich mit meinem Upcyclinglabel RCYCLIA – Die Kunst des Wiederverwertens auf konventionellen Messen gemacht hatte: Die Kreationen kamen gut an, aber ich war oft die einzige Designerin, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigte. Wieso also nicht eine Messe gründen, die die Vorzeichen schlicht umdreht und ausschließlich DesignerInnen und KünstlerInnen präsentiert, die Verantwortung für Mensch und Umwelt übernehmen und gleichzeitig stylische und innovative Produkte entwerfen. ökoRAUSCH ist somit 2008 als erste deutsche Messe für nachhaltiges Design gestartet und hat aus dem Stand das Publikum begeistert.

Nach vier erfolgreichen Jahren haben wir uns im Team 2012 dann dazu entschieden, noch viel mehr den Inhalten der Veranstaltung Raum zu geben. So entstand das Festival, das gleich eine ganze Woche lang die kreative Seite des Themas Nachhaltigkeit präsentiert.

Was waren die Startschwierigkeiten, und wie bist Du damit umgegangen?

Viele Menschen, die idealistisch geprägt sind und nicht vom Profit berauscht, vernachlässigen erst mal Aspekte wie Businesspläne zu schreiben, sich um’s Marketing zu kümmern oder gar Rücklagen zu bilden. Das war auch bei uns der Fall. Aber dann hat sich schnell die Erkenntnis durchgesetzt, dass man faire Arbeitsbedingungen auch allen MitstreiterInnen und sich selbst zugutekommen lassen sollte, denn mit „fröhlicher Selbstausbeutung“ kann man nicht nachhaltig aktiv bleiben. Somit habe ich in den letzten Jahren ein anderes Verhältnis zum Geld entwickelt, aber zum Glück ohne zur Geschäftsfrau im Kostümchen zu mutieren (lacht).

Es erfordert viel Kreativität, um Menschen zum Mitmachen zu motivieren.


Wie hat es sich seitdem weiterentwickelt?
Vom 12. bis 21. Mai 2017 fand das ÖkoRAUSCH Festival erstmals sehr erfolgreich im Museum für angewandte Kunst Köln statt. Ende Juni 2017 haben wir zudem das erste neue Projekt umgesetzt, und zwar das ECO DESIGN FORUM, eine Netzwerk- und Workshopreihe für sozial-ökologisch arbeitende Kreative, deren Auftakt in Hamburg stattgefunden hat. Und wer Lust hat, sich ganzjährig über Design und Nachhaltigkeit zu informieren, kann dies nun auch auf unserem Blog auf oekorausch.de tun. Hier wird man auch stets über unsere aktuellen Aktivitäten informiert.

An welche Design-Arbeit erinnerst Du Dich besonders gerne?
Eines meiner Lieblingsausstellungsstücke ist eine Schwimmweste für Kühe, deren Weiden in Überschwemmungsgebieten liegen. Das hat bei den BesucherInnen viele Diskussionen ausgelöst und ihren Blick auf die Dinge verändert. Man muss Design anders denken, dann kann man auch anders gestalten. Wir spielen in unserem Ausstellungskonzept damit, dass Menschen anfällig für Schönheit sind. In Zukunft wird sich aber „schön“ nicht nur auf die Form beziehen, sondern auch eine ethische Idee! Schön ist, was „gut“ ist.

Dezentralisierung stärkt das Verantwortungsgefühl – gerade in der Stadt!


Wie definierst Du "Zukunftsfähigkeit/Nachhaltigkeit" für Dich?
Für mich ist neben der sozialen Verantwortung, gerechtem Wirtschaften und dem umweltfreundlichen Handel auch der kulturelle Aspekt besonders wichtig. Man muss die gesamte Gesellschaft mit einbeziehen – Menschen im direkten Umfeld, aber auch am anderen Ende der Welt. Und ich bin davon überzeugt, dass viel Kreativität gefordert ist, um Menschen anders zu erreichen, damit sie sich von dem Thema angesprochen fühlen und mitmachen.

Wie siehst Du die aktuelle gesellschaftliche Situation? Was läuft schief, was gibt Hoffnung?
Ich beobachte etwas mit Sorge, dass immer noch viele Leute aus dem politisch eher linken Flügel „öko“ oft als elitär abstempeln. Stattdessen könnte man doch ein „öko für alle“ fordern und aus dem Blickwinkel der gerechten Verteilung argumentieren. Hoffnung gibt mir, dass sich immer mehr BürgerInnen für ihr direktes Umfeld interessieren und zunehmend auch engagieren, und dass quer durch alle Schichten.

Und in Bezug auf Köln?
Vermutlich ist das kein Kölner Phänomen, aber manchmal hat man hier den Eindruck, dass die Einflussnahme noch immer sehr schleppend läuft –  dass über Forderungen von ExpertInnen in Sachen Umwelt- und Klimaschutz zu viel debattiert wird, während in der Zwischenzeit einfach Fakten geschaffen werden, indem z.B. weiterhin Flächen versiegelt werden und städtisches Grün verschwindet.

Aber ich bemerke, dass sich immer mehr Menschen wieder mehr für ihr direktes Umfeld interessieren, kleinräumiger denken, ihr Handeln auf das Nächstliegende verlagern, weil sie dadurch das Gefühl bekommen, eine Veränderung greifen zu können – was sie enorm motiviert und auch selbstbewusster macht. Diese Dezentralisierung stärkt das Verantwortungsgefühl – gerade in der Stadt!



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