Interview

Judith Drewke

Ich möchte dabei helfen, dass Einzelhandel und Gastronomie gemeinsam eine lautere Stimme haben.


Judith drewke neu

Judith Drewke, studierte Expertin in Sachen Corporate Communication, ist seit 2014 als eco-faire Entrepreneurin im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Begonnen hat sie ihre Selbstständigkeit mit der Co-Gründung des Labels jas. slow fashion. Ihr Ziel war es damals, minimalistische und individuelle slow fashion in Deutschland herzustellen. Der Fokus der Wahlmainzerin liegt heute auf der Guidance von Unternehmen, Einzelhändlern und Gastronomen. Mit ihrem Beratungsunternehmen FRAIGAIST entwickelt sie nachhaltige Kommunikationskonzepte und bildet strategische Communication-Networks.


Interview: Daniela Mahr, Januar 2019
Foto: Judith Drewke


Es war von Anfang an mehr als Mode.


Was brachte Dich dazu, ein faires Fashionlabel in Mainz zu eröffnen? Wie ist die Geschichte dahinter?
Ich komme eigentlich aus dem Marketing und BWL-Bereich, in dem ich drei Jahre gearbeitet habe. Die Idee, etwas im Kleidungssegment zu gründen, war sehr früh da. Am Anfang hatte das gar nicht viel mit Nachhaltigkeit zu tun. Die Grundidee war, individuelle Mode abseits vom Mainstream zu machen. Ich habe mich damals zwar durchaus für einen nachhaltigen Lebensstil interessiert, dieser stand aber nie im Vordergrund. Als ich dann jemanden suchte, der meine Ideen grafisch umsetzen konnte, lernte ich 2014 meine Co-Gründerin kennen. Diese brachte dann verstärkter den Fokus einer eco-fairen Produktion mit ein. 2015 haben wir uns zusammengetan und das Fashionlabel jas. slow fashion gegründet. Wir konzentrierten uns auf Kleinserien und Unikate aus Bio-Baumwolle und Upcycling-Elementen.
Während der Gründung bin ich Mutter geworden und hatte noch einen Halbtagsjob. In der Altstadt entdeckte ich unser erstes Ladenlokal, das wir dann ein Jahr nutzen sollten. Ich fasste den Mut und beschloss, ins kalte Wasser zu springen und mich nach meiner Elternzeit komplett der neuen Selbstständigkeit zu widmen. Wir haben die Ideen für die Kleidung entwickelt und hatten eine Modedesignerin beschäftigt, die sie umsetzte. Später wurde unsere Kleidung in Sachsen produziert. Nach einem Jahr zogen wir mit dem Laden in die Neustadt und gründeten mit Klotz&Quer und JECKYBENG eine Laden-WG. Heute mache ich jas. mehr oder weniger allein – konzentriere mich allerdings mehr auf meine Beratungstätigkeiten.

Ich möchte dabei helfen, dass Einzelhandel und Gastronomie gemeinsam eine lautere Stimme haben.

Du sagst, es war von Anfang an mehr als „nur“ Mode…
Ja, wir hatten seit Anbeginn ein Konzept und ein Rahmenprogramm. Wir haben Verkaufspartys, ähnlich wie die Tupperware-Partys mit Modenschauen veranstaltet. Tatsächlich hätten wir bereits viel früher eine „Laden-WG“ eröffnen können, wenn wir die Idee eher besprochen hätten. Ich wollte, wie vermutlich die meisten Gründer in Mainz, schon immer in die Neustadt. Die Idee, unsere Produkte gemeinsam auszustellen, lag sehr nahe. Von der Persönlichkeit passen wir auch wirklich gut zusammen.

Außer Deinem Label passiert auch viel Weiteres bei Dir, richtig?
Ja, wie oben schon angeklungen, bin ich wieder in einer Veränderungsphase. Das Konzept des Labels wird stark überarbeitet. Es soll künftig als Referenz dienen und ich werde mich wieder mehr dem Marketing mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit widmen. Zurzeit berate ich eine Filmfirma, die sich nachhaltig ausrichten möchte.
Für Einzelhändler*innen und Gastronom*innen habe ich vor einer Weile ein Netzwerk gegründet. Hier arbeite ich gerade das Konzept weiter aus, weil ich dabei helfen möchte, dass wir gemeinsam eine lautere Stimme haben. Vor allem gegenüber den großen Playern. Wir alle wissen, dass die meisten kleinen Einzelhändler und Gastronomen wenig Geld für Marketing haben. Ein Zusammenschluss kann da helfen. Die Idee ist: Marketingleistung als Community. Die Gruppe kann mich gemeinsam buchen.

Wo bietest Du das Community-Marketing überall an?
Das biete ich natürlich nicht nur in Mainz an. Mainz dient aber als Referenz. Konzentrieren werde ich mich auf mitteldeutsche Städte. Bei meinen Reisen habe ich gemerkt, dass man in anderen Städten genau die gleichen Probleme hat. Da bieten sich Zusammenschlüsse an.

Was waren die Herausforderungen, die sich in allen Städten wiederholten?
Vor allem die mangelnde Sichtbarkeit. Daneben das Preisgefüge, das viele Menschen noch nicht verstehen und das ihnen nähergebracht werden muss. Ebenfalls zu beobachten ist das Konkurrenzdenken, mit dem sich die Unternehmen selbst im Weg stehen. Das habe ich vor allem bei älteren Ladeninhabern feststellen können. Die Jungen sind da eindeutig aufgeschlossener. Ansonsten ist allen gemeinsam, dass ihnen Zeit und Geld für Marketing fehlen, obwohl es wirklich wichtig wäre. Viele jüngere Ladenbesitzer nutzen Instagram. Ein Netzwerk aufzubauen ist da schon schwieriger und die Pressearbeit, die mindestens genauso wichtig ist, gerät leider auch immer mehr in den Hintergrund. All das und mehr würde ich den Menschen gerne wieder näherbringen. Dafür habe ich FRAIGAIST gegründet.

Was war für Dich bislang der größte Lerneffekt?
Dass man immer in Bewegung bleiben muss...


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