Interview

Sébastien Martin

Mit dem Programm des Impact Collectives helfen wir guten Projekten dabei, dass ihr Vorhaben erfolgreich wird.

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Job/Beruf

Impact Collective gGmbH


Interessen

Digitalisierung, Europa, Fair Finance, Finanzen, Gründung, Impact, Innovationen, Responsible Leadership, Soziale Innovationen, Wirtschaft der Zukunft
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Sebastién Martin berät seit vielen Jahren Menschen, die sich gesellschaftlichen Herausforderungen annehmen möchten, war Leiter des Social Impact Labs Frankfurt, und hat nun mit dem Impact Collective den ersten Accelerator für Social Business und Social Entrepreneurship in Deutschland gegründet.

Interview: Daniela Mahr, Februar 2019
Foto: Sébastien Martin


Wir glauben, dass es eine gemeinsame Anstrengung braucht, um das Ökosystem weiter zu professionalisieren und für ein Gründen attraktiver zu machen.

Was hast Du gemacht, bevor Du das Impact Collective gegründet hast? Wie war Dein Weg dorthin?
Ich war mehr als 20 Jahre in der Finanzwirtschaft tätig. Von der Ausbildung zum Bankkaufmann bis zum Geschäftsführer einer jungen Bank konnte ich sehr viele Aspekte des Finanzgeschäfts erleben und mitgestalten. Den überwiegenden Teil meiner Karriere habe ich im Innovationsmanagement gearbeitet und neue Produkte oder neue Märkte entwickelt. Da das in der Regel Projekte waren, die komplett auf der „grünen Wiese“ entstanden, also weder Budget noch Mitarbeiter oder Kunden hatten, war da oft eine Art Startup-Feeling in den Unternehmen. Zuletzt war ich in der Geschäftsführung eines Bankenstartups in Schweden tätig.
Eigentlich wollte ich mich danach in Ruhe neu erfinden. Ein ehemaliger Kollege und gleichzeitig geschätzter Bekannter erzählte mir dann aber beim Surfen, dass er in einem Startup als Mitgründer einsteigt, mit dem Ziel, exorbitante Zinsen auf Mikrokredite in der Subsahara-Zone zu bekämpfen. Ich fand das Thema spannend, wollte investieren und lernte die beiden anderen Gründer kennen, die die Idee entwickelten. Sie erzählten mir etwas von „Social Entrepreneurship“, wovon ich vorher noch nie gehört hatte. Das Thema ließ mir keine Ruhe und es ging Schlag-auf-Schlag weiter. Ich lernte immer mehr Pioniere in der Szene kennen und wusste dann einfach, dass das hier meine neue Aufgabe werden würde.
Vielleicht muss man dazu wissen, dass ich ein Schicksal mit 99% aller Banker teile: wir hatten alle eigentlich anderen Pläne für das Leben, als wir jung waren. So war das auch bei mir. Ich war zwar schon sehr früh an wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen interessiert. Wirklich faszinierte mich allerdings Joseph Beuys, der ja bekannt ist für seinen Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Damit meinte er, dass jeder Mensch ein kreatives Potenzial in sich trägt und sich damit für die Weiterentwicklung der Gesellschaft einbringen kann – vielleicht sogar muss. Irgendwie wollte ich das immer für mich verwirklichen und mit meinem Interesse für Wirtschaft zusammenbringen. Im Social Entrepreneurship finde ich beides wieder: eine sehr kreative Szene, die eine positive gesellschaftliche bzw. ökologische Wirkung entfalten will und dafür unternehmerische Mittel einsetzt.

Was gab Dir letztlich den Anstoß, Impact Collective zu gründen?
Ich habe in den letzten drei Jahren mit sehr vielen gründungswilligen Menschen als Coach und Mentor gearbeitet und festgestellt, dass die Herausforderungen nahezu immer gleich sind.
In dieser frühen Phase geht es um eine Idee und wie man daraus etwas Konkretes entstehen lassen kann. Das besondere und anspruchsvolle an der „grünen Wiese“ ist, dass man nie wissen kann, ob der Boden fruchtbar genug ist und ob man einen grünen Daumen mitbringt. Die Voraussetzungen sind fast immer identisch: man hat immer zu wenig Geld, zu wenig Mitstreiter*innen, zu wenig Kund*innen und zu wenig Zeit.
Probleme sind für Entrepreneure ja das „Spielfeld“ und an Problemen mangelt es uns nicht. Für mich sind Social Entrepreneure Pioniere für einen anderen, sehr fokussierten und lösungsorientierten Weg. Nur in der frühen Phase der Gründung gehen leider auch viele gute Ideen verloren. Oftmals fehlt das notwendige Wissen für eine Gründung bzw. es fehlt an einem kuratierten Prozess, um wichtige Kompetenzen zu entwickeln.
Das wollte ich ändern. Seit etwa zwei Jahren arbeite ich an einem Konzept, wie man Social Start-ups zu Impact Grown-ups begleiten kann, um die Erfolgschancen der Gründer zu erhöhen. So entstand dann Ende 2018 die „Impact Collective gGmbH“, die seit Januar 2019 von der KfW-Stiftung gefördert wird. Wir verstehen uns als strategischer und operativer Partner der Startups und arbeiten gemeinsam an den Herausforderungen - zusammen mit einem breiten Netzwerk aus Unternehmer*innen und Unternehmen. Der Name „Impact Collective“ ist Programm, weil wir glauben, dass es eine gemeinsame Anstrengung braucht, um das Ökosystem weiter zu professionalisieren und für ein Gründen attraktiver zu machen.

Gab es jemanden, der Dich dabei besonders inspiriert hat?
Inspiration finde ich in sehr vielen Menschen, ohne hier jemanden hervorzuheben. Sehr berührt bin ich durch Gründer*innen, die sowohl hartnäckig und diszipliniert als auch kreativ und unkonventionell ihren Weg gehen.
Die Startup-Phase ist alles andere als toll, auch wenn das in Medien oftmals als eine einzige Party dargestellt wird. Die Nächte der Gründer*innen sind oftmals schlaflos – jedoch nicht durch wilde Partys, sondern durch wilde Sorgen. Die Realität der Gründer*innen ist sehr oft durch Selbstzweifel, hoher Unsicherheit, Entbehrungen, finanziellen Sorgen und sehr wenig gesellschaftliche Anerkennung geprägt. Menschen, die das alles in Kauf nehmen, und trotzdem ein Social Business starten, inspirieren mich.

Hobby-gründen geht meistens schief. Erst aus den Säulen Wirkungsorientierung und wirtschaftliche Nachhaltigkeit entsteht ein Haus.

Auf der Website bezeichnet Ihr das Impact Collective als "Impact Accelerator Programm für gemeinnützige und gewinnorientierte Startups". Was sollten die Startups mitbringen?
Wir richten uns an Start-ups, die entweder gerade gegründet haben oder eine Gründung anstreben. Wichtig ist uns, dass die Idee bereits bei der Zielgruppe erfolgreich getestet wurde.
Zum anderen suchen wir verbindliche Gründer*innen. Darunter verstehen wir Menschen, die sich ernsthaft eine Existenz aufbauen wollen und hier auch über einen längeren Zeitraum am Ball bleiben. Hobby-gründen geht meistens schief. Voraussetzung ist eine klare Wirkungsorientierung und eine wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Erst in der Kombination dieser beiden Säulen entsteht ein Haus.
Das ist deshalb so wichtig, weil die Start-up-Phase wirklich nicht erstrebenswert ist, wenn man sich die Voraussetzungen anschaut und welchen Preis man dafür als Gründer*in zahlt. Umso besser, wenn man diese schnell hinter sich lässt und zu einer wirtschaftlich tragfähigen Organisation werden kann.

Wie verläuft das Programm?
Wir helfen guten Projekten, sich zu einem Impact Grown-up zu entwickeln. Dafür haben wir kein Standard-Programm, das dann alle durchlaufen müssen, sondern unterstützen bedarfsorientiert. Wir holen die Gründer*innen regelmäßig aus ihrem Hamsterrad, besprechen akute Probleme und prüfen, ob die Roadmap konsequent verfolgt wird oder ob die Ziele angepasst werden müssen.
Für bestimmte fachliche Fragen stellen wir erfahrene Mentoren zur Seite. Wichtig ist, dass wir das Matching zwischen den Teams und den Mentor*innen vornehmen. Zu oft bekommen Startups Mentoren, die sich auf den Kontext des Teams nicht einlassen können oder einfach keine Expertise mitbringen.
Indem wir die Teams über einen langen Zeitraum begleiten, helfen wir ihnen, Kompetenzen eigenverantwortlich zu entwickeln. Nur durch eigene Erfahrungen können Gründer*innen zu souveränen Unternehmerpersönlichkeiten werden.
Wir beobachten und hinterfragen dabei sehr genau, wie die Lösung bei den Nutzer*innen funktioniert. Ein großer Fallstrick in der Startup-Phase ist immer dann gelegt, wenn sich die Gründer*innen in eine Produktidee verlieben. Wir reden ja von Wirkung, das heißt die Produktidee ist immer nur Mittel zum Zweck. Wenn das Produkt seine gewünschte Wirkung nicht entfaltet, heißt es „kill your darlings“ – und zwar schnell und emotionslos. Eine fokussierte Produktentwicklung mit einer soliden Wirkungsevaluation ist genauso wichtig wie eine geschickte Kommunikations- und Stakeholder-Strategie. Hier gehen wir gemeinsam mit unseren Programm-Partner*innen zur Hand.
Bei aller Unterstützung bleibt das Gründerteam immer in ihrer Eigenverantwortung. Das heißt die Entscheidungen treffen sie alleine. Sie setzen sie auch um und reflektieren ihren Fortschritt.

Du berätst andere schon lange bei ihren Gründungen. Nun bist Du selbst unter die Gründer gegangen. Welche waren Deine persönlichen Herausforderungen, die Du erlebt hast und wie bist Du bisher damit umgegangen?
Die emotionale Achterbahn hatte und habe ich natürlich auch...


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Changemaker: Sébastien Martin

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