Raab J. Fgrssraf
stellt eine Frage · vor 15 Tagen

Warum sollte ein Unternehmen überhaupt nachhaltig werden? Es läuft doch auch so.

Spreche ich mit einem Marktforscher*, ist das Thema Nachhaltigkeit im ganzheitlichen Sinn (ich denke hierbei an die SDGs) bei Konsumentinnen und Konsumenten irrelevant

Es reiche ein erfülltes Ziel für nachhaltige Entwicklung aus, um einen Kaufanreiz zu bieten. Überfrachte ich die Botschaft jedoch mit zu viel anderem, hänge ich die Kunden und den Kunden ab und verliere diese. 

So ist es zum Beispiel mit Ökostrom. Hauptsache der ist zertifiziert - und zwar irgendwie. Das reicht schon für das gute Gefühl der Kundin und des Kunden. Dann ist es leider sogar egal, dass mittlerweile zwei Kühlschränke im Haushalt betrieben werden und auf dem Balkon der elektrische Heizstrahler an kühlen Sommerabenden wohlige wärme spendet. Ist ja Ökostrom. 

Für das Unternehmen und die Kundinnen und Kundinnen ist also alles in Ordnung. Wozu sollte das Unternehmen dennoch um die SDGs im Ganzen kümmern und daran arbeiten diese auch zu erreichen? 

Nachhaltigkeit im ganzheitlichen Ansatz ist unsexy und schwer zu vermitteln so das Fazit. 

Ich freue mich darauf auf Eure Gedanken dazu zu hören! 

* Das ist eine reale Situation gewesen und in diesem Fall mit einem männlichen Marktforscher. Daher habe ich keine weibliche Bezeichnung verwendet. 

Themen: Nachhaltigkeit · SDGs · Sinn | Skills: Akquise · Marketing
Ebznan Fpunvyr · vor 13 Tagen

Meiner Wahrnehmung nach fühlen sich die meisten Menschen mit dem Begriff Nachhaltigkeit überfordert, da es sehr viele unterschiedliche Meinungen / Sichtweisen darüber gibt, was nachhaltig tatsächlich ist und was nicht. Z.B. wie nachhaltig sind Avocados aus Mexiko?

Greenwashing und Bluewashing machen das Ganze nicht leichter. Im Gegenteil. Häufig meinen Menschen, Nachhaltigkeit ist nur reine PR bzw. Geldschneiderei.

Und das mit den Zertifikaten, Labels, Etiketten(schwindel)... ist dasselbe in Grün. Nur ein kleiner Teil der Menschen arbeitet sich durch den ganzen Zertifikats-Dschungel durch. Und selbst das ist kein Garant, denn es können sich Qualitätsstandards auch jederzeit wieder verändern.

Nachhaltigkeit sollte man meines Erachtens nicht als Wettbewerbsvorteil sehen sondern sie als Haltung leben. Es besteht auf der Welt eine Notwendigkeit von Nachhaltigkeit zum Überleben. Doch wer, was, wieviel, wann, wo... macht... alle können und sollen was beitragen.

Meine Idee dazu sieht so aus:

Menschen geben in einen Radar ein, wieviel Prozent ein Unternehmen, ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Mensch, in von ihnen selbst zu definierenden Bereichen nachhaltig ist, z.B. Regionalität, Saissonal, Biologisch, nicht genmanipuliert, keine Lebensmittelverschwendung (Tafel...) usw. usf. Alle Kriterien können eingesehen werden, optional können sie thematisch kategorisiert werden, um Doppelungen bestmöglich zu vermeiden. Desweiteren könnte ein redaktionelles Team Doppelungen aufspüren bzw. nachfragen, ob Kriterien nicht identisch sind. Doch ich bin davon überzeugt, soviele unterschiedliche Kriterien wird es nicht geben. Auch muss erst ein Bewußtsein in der Bevölkerung dafür geschaffen werden, dass Nachhaltigkei tsich an vielen Punkten festmachen lässt.

Andere Leser:innen bzw. Nutzer:innen sehen die Kriterien und können sich inspirieren lassen bzw. Kriterien integrieren, an die sie selbst bislang nicht gedacht hatten. So kann dann jeder Mensch nach persönlichen Präferenzen entscheiden, ob angesichts der Crowdmeinung, ein z.B. Produkt für ihn - und wie sehr - nachhaltig ist, z.B. Biozwiebeln aus Australien nach Deutschland eingeflogen.

So sieht jeder Radar unterschiedlich aus. Doch man kann für jedes Produkt, jedes Unternehmen, jede Dienstleistung daraufhin das arithmetische Mittel berechnen.

So könnte je Produkt, Dienstleistung, Unternehmen, Mensch ein ganz individueller Fußabdruck entstehen, der exakt die Meinung der Begutachter:innen wiedersiegelt.

Überdies denke ich, dass im Laufe der Zeit auch unsere Kenntnisse bzw. Werte sich verändern und schon stimmt der Fußabdruck nicht mehr. Also, Fußabdrücke brauchen meines Erachtens mehr Dynamik in der Beurteilung.

Interessant wäre für mich, was sich daraus entwickeln könnte, z.B. wie einerseits auf Dinge wie Zwiebeln, Avocados nicht zu verzichten und dennoch einen ökologischen Fußabdruck zu haben, der in Ordnung ist? Was könnten mögliche Lösungen sein? Transport komplett grün machen? Mittels regenerativer Energien (exotische) Früchte vor Ort anbauen? 

Verzicht wird sich nur sehr sehr schwer durchsetzen lassen. Das würde nur durch gesetzliche Verordnungen (temporär) funktionieren. Und die Regierungen haben ja Interesse am Export, an der Wirtschaft. Die würden da am Wenigsten mitmachen.

Hier mehr zu forschen und zu experimentieren würde meines Erachtens sehr lohnen, z.B. Gewächsfarmen in denen die Temperaturen immer über dem Nullpunkt gehalten werden, sodass beispielsweise Avocadobäume gut gedeihen können. Letztendlich wird wohl für viele Jahre noch der Preis entscheidend sein. Kommt es den Verkäufern günstiger die Produkte vor Ort zu züchten oder möglichst umweltfreundlich z.B. durch eSchiffe und eFlugzeuge zu transportieren?!

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man mit Nachhaltigkeit sehr viel Geld sparen kann. Ich spare privat € 582 im Monat weil ich nachhaltiger lebe. Die Prinzipien mit den ich das mache, funktionieren sicherlich bei Unternehmen auch was einen Wettbewerbsvorteil bringen würde. Wenn das nicht attraktiv ist für Unternehmen ... 

Qbzvavx Xhtryznaa · vor 12 Tagen

Als Unternehmer sehe ich es als meine Pflicht an mein Unternehmen Nachhaltig zu betreiben. Egal ob der Kunde es versteht, interessiert, oder dazu bringt bei mir zu Kaufen.  Jeder Mensch, ob Kunde, Mitarbeiter, oder nicht ist ja schliesslich Stakeholder an einer Gesunden Erde. Und da trage ich als Unternehmer entweder zu bei oder arbeite aktiv dagegen an.  

Fronfgvna Fpuvyyre · vor 10 Tagen

In unserem bestehenden Wirtschaftssystem ist "gutes Handeln" wohl eher ein Klotz am Bein. Mir fällt dazu das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie ein.

Uhpx Zvqqrxr · vor einem Tag

Nachhaltig heißt ja so zu handeln dass es so weitergehen kann. 

Über den Arterhalt und das respektable Verhalten anderen Arten hinaus, geht es ja auch um die Individuuen in- und hinter einem Unternehmen. 

(Es stellt sich die Frage: "wer soll nachhaltig werden, das Unternehmen oder die Menschen darin?")

Das Unternehmen mag am Überleben nicht so sehr interessiert sein, wie die Menschen die damit zusammenhängen.

Darüber hinaus "geht es ja nicht auch so", denn wir sehen dass wir global das Äquivalent von mehr als einem Planeten vertilgen.

Ob nun ein Unternehmen eco- oder egozentrisch motiviert ist, im eigenen Interesse (Individuum, Art, Unternehmen, "wir-natur") ist hochprozentige Nachhaltigkeit zum Überleben absolut notwendig.

Auch stellt sich insgesamt ja auch die Frage, ob ein (kommerzielles?) Unternehmen überhaupt nachhaltig handeln kann ohne aufzuhören ein Unternehmen zu sein. 

So würde ein Unternehmen welches sich auf die Produktion von Löffeln spezialisiert hat, sicherlich (und tragischer weise) Abnehmer für "zertifiziert nachhaltig produzierte Löffel" finden, ist in einer Welt in der es schon deutlich mehr Löffel als Menschen gibt nicht in der Lage, die eigene Existenz als Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit rechtzufertigen.

Ich liebe Löffel.

Gbeora Qmvyynx · vor 12 Tagen

Meine spontanen Gedanken dazu
Aus unternehmerisch rationaler Perspektive
Eine Zielgruppenverschiebung hinzu stärker nachhaltig orientierten Kund*innen soweit wie möglich voranbringen, heißt einen anderen Kundenstamm bedienen. Sofern dies nicht weiter möglich ist, weil dieser zu klein ist oder nicht existiert, lässt sich auf Angebotsseite nicht viel machen. Dann muss Nachfrage geschaffen werden, bspw. durch Branding (vgl. Patagonia). Wenn auch das an die Grenze der Umsetzbarkeit gerät, bedarf es übergeordneter Strukturen, die weitere Anreize etablieren. Entweder durch Staat, Zivilgesellschaft, aber auch durch Unternehmen selbst. Ein Unternehmen kann sich z.B. für striktere Zertifizierungen, nachhaltige Bildung, Unternehmenskooperationen etc. einsetzen. Also anders gesagt, statt auf der Micro-Ebene zu agieren, die Rahmenbedingungen auf der Meso-/Makro-Ebene im Markt so verändern, dass Nachfrage und damit ein Wettbewerbsvorteil entsteht.

Also ethischer Perspektive
Alles tun, solange es den Bestand des Unternehmens nicht gefährdet.

Nfgevq Züyyre · vor 12 Tagen

Für den langfristigen Bestand des Unternehmens würde ich über ein bloßes Marketing hinaus ein wirkliches Nachhaltigkeits-Management einführen (und dieses dort einbinden). Hierzu gibt es Weiterbildungen, MBA Studiengänge. Hieraus ergeben sich sicher weitere Handlungsfelder des Unternehmens - intern wie extern. So bietet sich bspw ein Nachhaltigkeits-controlling an, um die Unternehmensstrategie besser an Nachhaltigkeitszielen auszurichten. Durch ein Lieferkettenmanagement können weitere Stellschrauben erkannt und kontinuierlich verbessert werden. Hier bieten sich für das Unternehmen evtl. Möglichkeiten Ressourcen und somit Kosten einzusparen. Es geht aber prinzipiell auch darum, dass Unternehmen Verantwortung für bisher externalisiere Kosten übernehmen, z.B. für Umweltschäden im Produktionsland - ein wesentlicher Teil der Glaubwürdigkeit. Geht diese verloren, schadet es doch dem Unternehmen. Hier spielen Institutionen eine wichtige Rolle, um stakeholder auf allen Ebenen aufzuklären (Verbraucher, Kunden, Produzenten, Zulieferer, Shareholder usw.). Ein Radarsystem, wie oben beschrieben, halte ich für einen interessanten Ansatz, um systemische Wirkungen aufzuzeigen.

Naan Gebfg · vor 13 Tagen

Ich denke, es gibt ja immer unterschiedlich "aufmerksame" Käufergruppen. Die einen wollen ihr Gewissen beruhigen. Die anderen meinen es ernst. Manche Umweltsünde ist einem ggf. auch gar nicht bewusst. Ist ja nur menschlich. Die Studien "Komm näher" und "Nachhaltiges Leben" von Polycom zeichnen ein differenzierteres Bild. Sind öffentlich verfügbar. Einfach mal reinschauen!

Fnovar Uneanh · vor 2 Tagen

Interessante Frage! Allerdings greift sie m. E. zu kurz. Denn sie reduziert Menschen auf ihre Rollen als Konsument*innen und Unternehmensvertreter*innen. Diese Form der Objektifizierung wird dem Thema Nachhaltigkeit nicht gerecht. Leider ist sie uns allzu vertraut — schließlich leben wir ja in einem System, das uns diese Haltung von Geburt an nahebringt. Dieses System müssen wir überwinden, wenn wir wirkliche Nachhaltigkeit wollen.

Ebznan Fpunvyr · vor 2 Tagen

Hi Sabine,

magst Du bitte Beispiele nennen, was Du meinst was fehlt? Danke,

Romana

Fnovar Uneanh · vor 2 Tagen

Wir brauchen mehr Fokus auf eine gesellschaftliche Transformation. Dazu gehört, dass Firmen nicht mehr wie bisher Lobbyarbeit betreiben dürfen. Werbung sollte nicht als "Ausgleich" für kostenlose Dienste genutzt werden. Wir brauchen mehr kapitalismuskritische Bildung und Erziehung und eine wirkliche Suffizienzorientierung. Mir fehlt ein gesamtgesellschaftlicher, politischer Ansatz. Nachhaltigkeitsdiskussionen beziehen sich zu oft auf die Kaufentscheidungen Einzelner, die ohnehin schon durch verschiedene Formen der Diskriminierung oder Benachteiligung in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt werden. 

Beispiel — Menschen ohne höhere Bildung haben oft gar keinen Zugang zur Information über die Hintergründe zu Themen wie Ökostrom. Alleinerziehende haben gar nicht die Zeit, sich damit zu beschäftigen. 

Uhpx Zvqqrxr · vor einem Tag

Warum: weil das wohl der Gemeinschaft des Lebens von hochprozentig nachhaltigen Lebensweisen unsererseits abhängig ist und jedes Unternehmen von uns Natur abhängig ist.

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